Bauernreiten – eine Nachlese!

So sehen sie aus: die stolzen Altenburger Bauern, die allerdings in vielen Fällen schon lange keine mehr sind. Beim 200. Jubiläum des Altenburger Bauernreitens am 7. Oktober war Altenburg fast komplett autofreie Zone. Der große Festumzug mit ca. 1200 Teilnehmern in zahlreichen Kutschen und auf Pferden, mit Musikinstrumenten, historischen Kinderwägen oder Handwerkszeug zog über 2 Stunden um die mit vielen winkenden Zuschauern bevölkerte Altstadt. Es ist eine Freude, den Filmbericht von Altenburg TV anzusehen!

Warum tun die das, auch wenn viele der in „ihren“ oft aufwendigen oder gar historischen Trachten schon lange nicht mehr in und von der Landwirtschaft leben?

Das „Altenborgische“ war schon immer eine besondere Gegend mit viel Selbstbewusstsein. Und auch mit einer viele Jahrhunderte lang sehr hohen Wirtschaftskraft. Davon zeugt neben den großen Vierseithöfen auch die aufwendige, der spanischen Hofkleidung (!) nachempfundene Tracht. Aus kostbarer Seide aufwendig bestickt sind die Jacken und Hauben der Frauen, der sogenannten Marchen. Oben sehr streng, ohne ein sichtbares Härchen, über dem Busen das traditionelle Holzbrett, dafür aber kokett Beinzeigend im nur knapp über das Knie reichenden eng gesmogten Rock. Die Männer oder Malcher tragen wie die Adeligen hohe Reitstiefel, ausladende Mäntel und einen Gehstock. Eine solche Tracht muss man sich über Jahre zusammensparen oder eben die Erbstücke vergangener Jahrhunderte wieder restaurieren, wie Christian Klau von Verein Altenburger Bauernhöfe.

Warum und wann die Bauern ihre Umzüge reiten? Das erste Mal am 25.09.1818 zu Ehren des Herzogs August von Sachsen Gotha-Altenburg. Danach unregelmäßig, nach Laune und zu wichtigen Anlässen. 1847 z.B. verabschiedete man mit einem Bauernreiten die Prinzessin Alexandra von Sachsen-Altenburg nach Russland. Dort heiratete sie den Bruder des Zaren 1873, weil Prinzessin Marie einen Prinzen von Preußen heiratete und 1890 und 1909 zu Besuchen des Kaisers Wilhelm II..

1933 hatte das Bauernreiten schon eine touristische Motivation. Doch dann war lange keine Stimmung mehr für stolze Bauern, bis endlich 1995 zum ersten Thüringentag wieder ein Umzug organisiert wurde. Jetzt 2018 das Jubiläum und sicher nicht das letzte Bauernreiten. Denn Tradition verbindet und schafft eine Basis des Zusammenlebens auch heute. Dank den vielen ehrenamtlichen Organisatoren.

Publikationen sind bei uns im Laden am Markt 17 zu erhalten:

  • Das Altenburger Bauernreiten, Kamprad Verlag
  • Die Bräuche der Altenburger Bauern, Andreas Köppel im Sell-Verlag
  • Hong a Ong, Das „Muss“ Buch der Altenburger Mundart von Heimatpfleger und Dichter Wido Hertzsch
  • Das Altenburger Kochbuch, Kamprad-Verlag
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